Hygge: Ein dänisches Lebensgefühl macht Schule

„Probiers mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit…“ singt Balou, der Bär, in dem Disney-Klassiker „Das Dschungelbuch“. Und während es in der indischen Geschichte rund um das Menschenkind und den menschenfressenden Tiger so gar nicht gemütlich ist, ist die Erinnerung an die liebenswerte Geschichte doch für viele genau das. Sie lässt einen an gemütliche, verregnete Wochenendtage denken, die mit der Familie auf dem Sofa verbracht wurden. Bei Kakao oder Honigmilch, eingewickelt in warme Decken hörte man eine Geschichte nach der anderen – Mama und Papa lasen sie einem vor. Und ja, manchmal durfte man eben auch – ausnahmsweise – einen Disney-Film schauen. Ein Däne würde diesen wohligen Zustand sicher als „hyggelig“ bezeichnen.

Mit den heutigen Serien-Marathons, die heute berufstätige Paare zur abendlichen Entspannung „durchlaufen“ hat das nichts zu tun. Wer abgehetzt aus dem Büro oder nach einem abendlichen „Freizeit-Stress“-Termin nach Hause kommt und sich die nächste Folge „Haus des Geldes“ oder „Game of Thrones“ reinzieht, bevor er erschöpft ins Bett kriecht, betreibt das Gegenteil eines hyggeligen Abends. Wer hingegen bewusst Abende freihält, es sich gemeinsam mit dem Partner auf dem Sofa gemütlich macht, ein Buch liest, vielleicht sogar – falls vorhanden – den Kamin befeuert: Der lebt das Hygge-Gefühl, der entspannt wirklich, bei dem ist es gemütlich.

Dabei schadet es sicher nicht, gemeinsam eine spannende Serie zu schauen – auch das kann hyggelig sein. Es geht darum, bewusst zu entspannen, bewusst loszulassen, bewusst ein Wohlfühlen zu erleben und loszulassen. Stressfrei, ohne Druck, gerne gemeinsam und auch alleine einen kleinen Glücksmoment genießen.

In der Winter- und Weihnachtszeit wird auf vielfältige Art und Weise versucht, dieses Gefühl zu kommer­zialisieren. Ob ein Besuch eines überfüllten Weihnachtsmarktes im Gedränge der Kaufrausch- und Geschenke-Süchtigen ein echtes Gefühl der Gemütlichkeit aufkommen lässt, mag jeder selbst beurteilen. Allerdings sollten Kommerz-­Kritiker auch be­denken: Natürlich kann auch der in kleiner Gruppe mit alten Freunden genossene Traditions-Glühwein einen Glücksmoment bringen, Geborgenheit geben und dann eben doch „hyggelig“ sein. Und Lichterketten, Holzbuden, rauchende Holzofen und Nussknacker bringen doch – ob kommerzialisiert oder nicht – eine gewisse Grundstimmung mit.

So kann man durchaus davon sprechen, dass der Winter wie prädestiniert dafür ist, ein echtes Hygge-Lebensgefühl zu entwickeln, auch wenn Glücksmomente natürlich auch bei Sonnenschein, bei einem Picknick oder einer Fahrradtour, erlebt werden können. Vielleicht ist deshalb das Hygge-Gefühl ein dänischer Export, aus Skandinavien, wo die Beziehung zum Wald, zum Schnee, zur Kälte doch eine ganz besondere Rolle spielt.

Schauen wir uns deshalb einmal gemeinsam an, was Sie dafür machen können, dass Sie in diesem Winter möglichst viele hyggelige und gemütliche Abende verbringen können:

Warmes und entspanntes Licht: Dunkel ist es draußen ohnehin. Beleuchten Sie nicht die ganze Wohnung. Machen Sie lieber eine Kerze an, den Kamin oder eine Lichterkette. Genießen Sie, dass die Dunkelheit auch eine gewisse Ruhe mit sich bringt.

Gemütlichkeit zuhause: Zuhause sollte es schön sein. Pflanzen, Bilder, flauschige Decken auf dem Sofa. All das trägt dazu bei. Und natürlich kann man zum Entspannen auch einmal ausgehen – ob Weihnachtsmarkt oder Sauna, im Winter gibt es viele Möglichkeiten.

Achtsam und bewusst sein: Genießen Sie den Moment bewusst, lassen Sie Glücksmomente nicht einfach an sich vorbeiziehen. Das gilt für das Gespräch mit dem guten Freund genauso wie für das Mensch-Ärger-Dich-Nicht-Spiel mit den Kindern.

Essen und trinken Sie lecker: Kakao oder Honigmilch, leckerer Milchkaffee oder ein toller Earl Grey-Tee. Vielleicht ein Gläschen Rotwein. Ein Rindersteak mit selbstgemachten Pommes Frites, ein Sauerbraten nach Omas Rezept mit Rotkohl, ein leckerer indischer Curry-Eintopf mit duftendem Basmati-Reis. Eine Rosinenschnecke vom Lieblingsbäcker oder der Käsekuchen, den Mama extra gebacken hat.

Sie merken: Genießen ist der Schlüssel zum Hygge-Gefühl. All das führt letztlich zu einer ganz wichtigen Zutat: Zum Entspannen, zum Loslassen, zum in-den-Moment-Versinken. Versuchen Sie es doch einmal! Denn Hygge ist zwar dänisch, doch das Gefühl kennt man auch hierzulande ganz gut. Oder warum glauben Sie haben die Briten und Amerikaner das Wort „Gemütlichkeit“ ohne Übersetzung ins Englische übernommen? 

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