Baby-Boom im Lukaskrankenhaus

Baby-Boom im Lukaskrankenhaus

Sie heißen Noah, Emilia und Ben, Sophia und Alexander. „Unsere Corona-Kinder“, sagen die Hebammen manchmal, und sie meinen nicht etwa eine Infektion: Diese Kinder sind neun Monate nach dem ersten Lockdown geboren. Und es sind viele! „Wir hatten in den ersten drei Monaten dieses Jahres schon fast 500 Geburten, das ist Rekord“, betont Dominik García-Pies, Leiten-der Arzt der Geburtshilfe. Alle Geburten sind einzigartig, eine war aus statistischen Gründen besonders: Das 300. Kind, das im Rahmen der „Be-Up Studie“ im Lukaskrankenhaus das Licht der Welt erblickte.

17 geburtshilfliche Kliniken in Deutschland sind Teil dieser auch international einzigartigen Studie. Untersucht wird, ob ein Gebärraum, der zu mehr Mobilität und aufrechten Körperhaltungen einlädt, eine vaginale Geburt fördert. Die Annahme: Eine aufrechte Körperhaltung während der Wehen und weitgehend auch unter der Geburt unterstützt die Durchblutung der Gebärmutter, das Kind kann sich besser im Becken der Mutter bewegen.

Im Lukaskrankenhaus ist seit Studienbeginn ein Kreißsaal entsprechend umgestaltet – mit einer hohen Matratze, einer Bodenmatte, mobilen Schaumstoffelementen zum Abstützen, Anlehnen und Sitzen. Poster an den Wänden zeigen verschiedene Körperpositionen bei der Geburt. Die Frauen können sich mit ihrer Begleitperson an einen Tisch setzen, haben Zugang zu Getränken und Snacks; sie können über einen Monitor Naturszenen ansehen, sich entspannen und von den Wehen ablenken; auch das Licht können sie nach eigenem Wunsch einstellen.

„Die Nachfrage ist groß“, sagt Caroline Brünger, Hebamme und Pflegegruppenleiterin der Geburtshilfe: „Die Schwangeren informieren sich gut über die Möglichkeiten, eine natürliche Geburt zu fördern. Und sie machen gern mit!“ Auch sie ist gespannt, zu welchen Ergebnissen die von der Universität Halle aus gesteuerte Studie kommen wird (www.be-up-studie.de).

„Etliche gute Ideen und Hilfsmittel aus dem Be-up-Kreißsaal werden wir nach dem Ende der Studie übernehmen“, so die Leitende Hebamme. Angesichts der hohen Geburtenzahlen seit Jahresbeginn war auch dieser spezielle Kreißsaal ständig belegt. 

Das Team der 25 Hebammen der Lukas-Geburtshilfe war oft im Dauereinsatz;
die Geburtenzahl steuert jedenfalls auf ein Allzeithoch zu. „Und auch unsere
Hebammen brauchen natürlich Nachwuchs“, sagt Caroline Brünger mit einem Augenzwinkern. Aktiv ist das Rheinland Klinikum mit seinen Geburtshilfen in Neuss und Dormagen in die jetzt akademische Hebammenausbildung eingestiegen. Schon seit 2013 gibt es eine Kooperation mit der Hochschule für Gesundheitin Bochum, in diesem Jahr startet die Hochschule Niederrhein mit dem Hebammen-Studiengang – ebenfalls mit Beteiligung des Rheinland Klinikums.

Jüngere und erfahrene Kolleginnen ergänzen sich im Kreißsaal in einem engagierten, kompetenten Team. Eine von ihnen ist Jolanta, die – nach kurzer Überlegung – auf etwa 3.000 Geburten kommt, die sie begleitet hat. „Und immer wieder ist es für mich ein großes Glück, wenn ein Kind zur Welt kommt“, sagt sie mit voller Überzeugung: „Auch wenn ich das sicher schon 3.000 Mal erlebt habe.“ 

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